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07Jan

Neonazis planen Aufmarsch am Freitag in Wittenberg

Text im Original vom Wittenberger Sonntag (vielen Dank!)
http://www.wittenbergersonntag.de/artikel/4296/Neonazis%20planen%20Aufmarsch%20am%20Freitag%20in%20Wittenberg

Wittenberg (wg). „Freie Nationalisten und Kameradschaften haben für Freitag, dem 8. Januar von 17 bis 22 Uhr eine Kundgebung in Wittenberg angemeldet“, informieren Uwe Loos, Landtagsabgeordneter der Linken und Reinhild Hugenroth, Kreisvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, beide sind auch Mitglied im Bündnis „Wittenberg weltoffen“. Geplant seien eine Kundgebung im Neubaugebiet, ein Demonstrationszug durch die Stadt und eine Abschlusskundgebung in der Nähe des Bahnhofs. 
„Man hat bewusst einen Schwerpunkt auf das Neubauquartier gelegt, weil man zum einen auf Mitläufer hofft, zum anderen dort wohnende Menschen mit Migrationshintergrund einschüchtern will“, erklärt Loos und warnt: „Hier marschiert nicht die NPD, sondern gewaltbereite und militante Neonazis.“ 
Loos erinnert an die Kameradschaft Elbe-Ost, die in den 1990er Jahren in der Region mit gezielten Gewaltattacken gegen Andersdenkende und Ausländer Angst und Schrecken verbreitete. Das Problem habe sich nie erledigt, die Szene sei wieder aktiv mit intensiven Kontakten zu Kameradschaften in Berlin, Dessau und Bitterfeld-Wolfen. Etliche der Rechtsextremisten hätten auch Ausbildungscamps absolviert.
Freie Nationalisten und Kameradschaften sind lose organisierte Neonazi-Gruppen, ihre genaue Mitgliederzahl ist nur schwer zu ermitteln. „Die Anschläge in Gräfenhainichen und in Wittenberg zeigen, dass die Hemmschwelle, Straftaten zu begehen, gesunken ist“, sagt Hugenroth. „Wegschauen geht nicht, wir müssen dagegen halten.“ Die Grenzen zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus seien fließend. Bei der AfD-Kundgebung im November 2015 auf dem Wittenberger Marktplatz seien auch Nazis dabei gewesen, überdies sei die AfD in Sachsen-Anhalt extrem rechtslastig. 
„Die Polizei-Statistiken der vergangenen zwei Jahre zeigen eine deutliche Zunahme rechtsextremer Straftaten bis hin zur Körperverletzung“, so Loos. Rechte Gewalt nehme nicht nur zu, sondern fokussiere sich immer mehr auf Menschen. Das Thema Flüchtlinge und Asyl sei für die Rechtsextremen willkommener Anlass, Einfluss auf die politische Stimmung zu nehmen und für eigene propagandistische Zwecke zu missbrauchen. Fremdenfeindliche und rassistische Positionen sind nicht zuletzt durch die Pegida-Proteste salonfähig geworden, und als deren Vollstrecker fühlen sich die Rechtsextremisten.
„Wenig gebildete Menschen sind besonders anfällig für rechtsextreme Parolen“, verweist Hugenroth auf den „Sachsen-Anhalt-Monitor“ von Prof. Dr. Everhard Holtmann. In dem Monitor bestätigt sich auch die Kontakt-Hypothese: Die Angst vor Fremden ist dort besonders ausgeprägt, wo wenige oder gar keine Ausländer leben und mithin keine Kontakte und Begegnungen erfolgen können.
Rechtsextremismus und Rechtspopulismus
Das Bündnis „Wittenberg weltoffen“ hatte im November des vergangenen Jahres das Bürgerfest auf dem Arsenalplatz als deutliches Zeichen gegen die NPD-Kundgebung auf dem Markt organisiert. In dem Bündnis arbeiten neben Privatpersonen alle demokratischen Parteien mit, die Kirchen, die Cranach-Stiftung und weitere Vereine und Verbände. 
Am 26. Januar, 17.30 Uhr, gibt es im Alten Rathaus eine Veranstaltung des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“ in Kooperation mit der Evangelischen Akademie und mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus untersucht werden. „Vor allem der Rechtspopulismus der AfD ist mit Blick auf die Landtagwahlen ein großes Problem“, betont Hugenroth.
Prof. Dr. Everhard Holtmann referiert zum Thema, anschließend beleuchtet Jan Burghardt vom Projekt GegenPart die rechtsextreme Szene in Stadt und Kreis Wittenberg. Ein weiterer Referent ist Wadim Laiter, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg. 
Hinweis: 
„Dem Bündnis ‚Wittenberg weltoffen’ ist die Nazi-Kundgebung am 8. Januar bekannt und es wird entsprechend darauf reagieren“, erklärt Loos. Nähere Infos gibt es unter www.wkb-wittenberg@uweloos.de , www.wbweltoffen.de und info@gruene-wittenberg.de

Verfasst am 07.01.2016 um 14:29 Uhr von .
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